vom 26.02.2010

Winter-Uni: Studenten lernen
Teamarbeit im Bayerwaldschnee


80 Pädagogik-Studenten zu Gast in Bischofsreut - „Erlebnistage sind das Schönste im Studium“


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Ein weißer Hai im Wiesengrund: Viel Raum für Kreativität haben die Studenten beim Modellieren ihrer Schneeskulpturen. (Foto: Klein)




Von Mirja-Leena Klein

Bischofsreut. Das „Haus Wiesengrund“ bietet normalerweise Erlebnistage für Schulklassen an. Doch in dieser Woche beherbergt das Jugendgästehaus 80 Studenten aus sechs Hochschulen mit ihren jeweiligen Dozenten. Die Studierenden kommen aus Jena, Nürnberg, Augsburg, Braunschweig und Linz.
„Winteruniversität“ nennt sich der fünftägige Aufenthalt im Bayerischen Wald, in dem das Schnee-Erlebnis im Mittelpunkt steht. „Die Farben des Winters“, so das Motto des Programms.
Gastgeber ist Tony Jäger, der schon vor zwei Jahren erfolgreich die Veranstaltung zur Förderung der Erlebnispädagogik durchgeführt hat. Schirmherr ist auch in diesem Jahr wieder Prof. Dr. Gerhard Waschler, der die Erlebnistage bei der Eröffnung als einen „Höhepunkt der akademischen Pädagogik-Ausbildung“ bezeichnete. „Nur das selbst Erlebte hat Bestand und kann vermittelt werden. Der Bayerische Wald bietet eine Vielfalt an Erlebnismöglichkeiten für die theoriegeplagten Studenten“, so Waschler. Auch Haidmühles Bürgermeister Fritz Gibis hieß die Studenten mit einem „Grüß Gott“ in seiner Gemeinde herzlich willkommen.
„Sanfte Bausteine der Pädagogik“, so nennt Tony Jäger, Leiter der Erlebnistage, die hier erprobten Praktiken. Zusammen mit seiner Kollegin Katharina Heimrath hat er einen Teil der Aktivitäten organisiert, den anderen Teil übernehmen die Studenten selbst.
Uni einmal anders: Ob beim Bau von Schneeskulpturen und Iglus oder Schneespielen, bei den Studenten, die allesamt pädagogischen Studiengängen angehören, kommt der bayerische Winter gut an. Was sich nach reinem Spaß anhört, hat einen pädagogischen Mehrwert. „Wir sollten eine Hütte im Wald bauen, nur aus Schnee und Zweigen, da musste man sich in Gruppen gut organisieren. Anschließend noch ein Lagerfeuer zustande bringen, wofür wir nur drei Streichhölzer hatten. Wenn man da nicht genau mit den anderen zusammengearbeitet und Absprachen getroffen hätte, wäre nichts entstanden“, sagt Gero Plumeier von der FH Braunschweig, der Soziale Arbeit studiert.
„Es geht hier darum, an konkreten Beispielen die Wichtigkeit von Teamarbeit zu erleben, in einer Gesellschaft aus lauter Einzelkämpfern“, so Prof. Ulrich Lakemann von der FH Jena.
Auch oder vor allem sollen die angehenden Sozialpädagogen Anreize finden für mögliche Spieltechniken mit Kindern. Viele der Studenten werden einmal in der Jugendarbeit tätig sein oder mit verhaltensauffälligen oder behinderten Kindern arbeiten.
Vorträge, die von den Studenten selbst organisiert sind, säumen das winterliche Praxis- und Sportprogramm. Ein ganzer Tag Schneeschuhwandern und Langlaufen in Finsterau steht noch auf dem Plan. Dabei soll möglichst kein Leistungsdruck entstehen, darum gibt es mehrere Gruppen mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden.
Bei einer angeleiteten Nachtwanderung im Schnee machten die Studenten Selbstbeobachtungen in der Stille: „Einmal in sich hineinhören, sich fragen, in welche Richtung man sich entwickelt hat, wann macht man das schon? Im hektischen Hochschulalltag bleibt für solche Einkehr keine Zeit. Und so ein stiller Ort wie hier ist schwer zu finden. Die Erlebnistage waren das Schönste bisher im Studium“, findet der Braunschweiger Andreas Schlifsky, der im vierten Semester Soziale Arbeit studiert.
„Das bieten die Erlebnistage in Bischofsreut den Studenten : einen Mix aus Theorie, Praxis und Reflexion von Erlebtem in der vorlesungsfreien Zeit als Abwechslung zum oft trockenen Lernbetrieb“, so Tony Jäger.



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