vom 06.03.2010

„Die Schanze und ich“

In der PNP: Silber-Adler Uhrmann über seine olympischen Momente


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Es waren auch seine Olympischen Spiele: Michael Uhrmann (31), der Bayerwald-Adler vom WSV-DJK Rastbüchl, war mit seinem letzten olympischen Sprung der Silber-Adler für die deutschen Skispringer, die nun auch nächste Saison mit dem „Uhri“ planen dürfen. In der PNP berichtet Michael Uhrmann von seinem persönlichen Olympia-Moment, warum ihm Silber genausoviel wert ist wie sein Gold vor acht Jahren, und über seinen größten Fan: Töchterchen Leni (3).

  Michael, welche Medaille gefällt denn nun Leni besser: Deine Olympische Silbermedaille oder ihre Skikurs-Plakette?

Michael Uhrmann (lacht): Ach, es war kurz, aber total schön zu Hause. Ich war ja jetzt über einen Monat unterwegs. Und jetzt ist schon wieder Skandinavien-Tour. Da habe ich die Tage seit Freitag schon sehr genossen. Die Leni kriegt meine Skispringerei ja schon voll mit. Das ist einfach wunderschön. Wir haben Fotos mit ihr und der Silbermedaille gemacht, sie ist schon sehr stolz auf mich.

  Du hast Mannschafts-Gold vor acht Jahren gewonnen, danach als Skispringer meist schwierige Zeiten erlebt, und nun bist Du derjenige, der das deutsche Skispringen versilbert hat. Genugtuung?

Uhrmann: Diese Medaille hat für mich die gleiche Bedeutung wie das Gold von Salt Lake City, auch wenn ein Olympiasieg als solcher einfach bleibt. Aber was wir vier in Vancouver erreicht haben und was ich dafür aufgewendet habe, macht die Sache natürlich schon speziell.

  Du hast von Dankbarkeit gesprochen, dass Du Martin Schmitt etwas zurückgeben konntest...

Uhrmann: Für uns war die letzte Zeit zumeist eine Zeit, in der wir in der Kritik standen. Aber Martin und ich, wir waren immer die besten. Er war bei drei olympischen Medaillengewinnen dabei, ich bei zwei. Martin ist mir einfach zu schlecht weggekommen in der öffentlichen Meinung. Man vergisst leicht, was er geleistet hat. Deshalb habe ich das mit der Dankbarkeit gesagt.

  Was ist Dir denn durch den Kopf gegangen, als Du als letzter deutscher Springer oben auf dem Bakken gesessen hast? Es war ja eine außergewöhnliche Situation: Du wusstest, von Dir hängt alles ab, und es würde Dein letzter olympischer Sprung sein, und dann wird man minutenlang hingehalten, weil der Wind nicht passt.

Uhrmann: Mir ist das alles in dem Moment völlig klar gewesen. Ich hab’ gewusst: An meinem Sprung hängt’s, wie die Mannschaft nach den Olympischen Spielen dasteht, wie ich persönlich rausgehe. Ich hab’ mich hingesetzt und einfach alles ausgeblendet.

  Wie denn?

Uhrmann: Ich hab’ mir gesagt, die Schanze und ich, wir beide kriegen das schon hin.

  Wann hast Du gewusst, dass es langt für die Medaille?

Uhrmann: Ich hatte die Weiten von Harri Olli und von Anders Jacobsen nicht gekannt. Aber von der Lautstärke der Reaktionen auf ihre Sprünge war mir klar, dass ich weit springen musste. Ich hatte am Tag vorher noch trainiert auf der Schanze, das hat mir nochmal gut getan. Davor, beim Einzelspringen, war ich noch nicht so weit. Aber erst als dann unten im Zielraum der Michi Neumayer und der Andreas Wank auf mich zugestürmt sind, ist mir klar geworden, dass es Silber ist. Die Österreicher waren ja sowieso zu weit weg.

  Danach hast Du Deine letzten Olympischen Spiele umso mehr genießen können...

Uhrmann: Vancouver war überhaupt mit das Schönste, was ich mitgemacht habe. Ich kannte das ja so noch nicht, das Leben im Olympischen Dorf, dieses bunte Durcheinander. Wo trifft man sonst mal mit anderen Sportlern zusammen? Wir waren mit Marco Büchel zusammen, haben argentinische Skifahrer kennengelernt. Da kriegt man mal einen ganz anderen Blickwinkel auf den Sport. Die trainieren nicht weniger professionell wie wir, wissen aber, dass sie nie was gewinnen werden. Die können viel lockerer sein als wir.

  Aber den Olympia-Touristen Uhrmann gab’s doch bestimmt auch...

Uhrmann: Ja klar. Wir waren beim Freestyle, das war schon sehr spektakulär. Leider haben wir beim Eishockey das 2:8 der Deutschen gegen Kanada erwischt, aber das Erlebnis an sich, die Begeisterung der Kanadier für ihren Lieblingssport zu erleben, war schon ziemlich einzigartig. Ansonsten war es schön, es auch mal laufen zu lassen.

  Demnächst wird es einen Empfang in Breitenberg geben...

Uhrmann: Ja, soviel ich weiß, am 10. April. Da freu’ ich mich schon drauf. Jetzt ist ja noch Skandinavien-Tour, danach Skiflug-WM. Aber das ist jetzt alles Zugabe. Für uns war der 22.2. der Tag der Tage.

Das Gespräch führte
Martin Freund




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